Das Wichtigste in drei Punkten
- Rechne Watt Solar = Tagesverbrauch in Wh ÷ Sonnenstunden des schwächsten Reisemonats ÷ 0,75.
- Für Paare mit Kompressor-Kühlschrank liegen die Quellen bei etwa 200 bis 400 Wp, der ADAC nennt in einem Beispiel mit 480 Wh am Tag mindestens 200 W.
- Ein Modul liefert im Dezember nur etwa ein Zehntel des Juni-Ertrags, deshalb entscheidet deine Reisezeit mehr als die Dachfläche.

Hintergrund: Es gibt keine pauschale Zahl
Die Frage nach der richtigen Wattzahl lässt sich nur über den Verbrauch beantworten. Ratgeber nennen für Paare im Kastenwagen oft 200 bis 400 Wp, der ADAC kommt in einer Beispielrechnung mit 480 Wh am Tag auf mindestens 200 W. Diese Spannweite entsteht, weil ein Kühlschrank mit Kompressor, ein Laptop im Homeoffice oder eine Kaffeemaschine den Bedarf schnell verdoppeln. Entscheidend ist außerdem, in welchem Monat du unterwegs bist: Im Juni liefert ein flaches Modul fast zehnmal so viel wie im Dezember.
So rechnest du
Die gängige Faustformel (zum Beispiel bei solaranlage-tipps.de) lautet:
Die Sonnenstunden sind dabei Volllaststunden, also der Tagesertrag in kWh pro kWp. Der Faktor 0,75 steht für Verluste durch Laderegler, Kabel, Hitze und Schmutz. Wichtig ist, den schwächsten Monat deiner Reisezeit zu nehmen, nicht den Jahresschnitt.
- Verbraucher auflisten: Leistung in Watt mal Stunden pro Tag ergibt Wattstunden (Wh).
- Summe bilden und, solange du nichts gemessen hast, einen Puffer von etwa 20 Prozent aufschlagen (so rät es ein Kfz-Betrieb, der den Verbrauch zwei Wochen mit Shunt messen lässt).
- Den Ertrag des kritischen Monats einsetzen, siehe Tabelle.
- Prüfen, ob die Fläche aufs Dach passt (Wie viel Solar passt aufs Dach?).
Richtwerte: Ertrag nach Monat
Die Werte stammen aus einer eigenen PVGIS-Abfrage der EU-Kommission für einen Standort in Mittelhessen, Modul flach liegend (0° Neigung), ohne Systemverluste. Die Spalte "Watt für 720 Wh" ist eigene Rechnung mit der Formel oben (720 ÷ (Ertrag × 0,75)). An anderen Orten weichen die Zahlen ab.
| Monat | Ertrag (kWh pro kWp und Tag) | Watt für 720 Wh am Tag |
|---|---|---|
| Juni | 4,99 | ca. 190 W |
| April | 4,07 | ca. 240 W |
| September | 3,09 | ca. 310 W |
| März | 2,53 | ca. 380 W |
| Oktober | 1,70 | ca. 565 W |
| Dezember | 0,48 | ca. 2.000 W |
Die letzte Zeile zeigt, warum Solar im Winter nicht als alleinige Quelle taugt (mehr dazu in Solar im Winter).
Rechenbeispiel
Ein Paar nutzt Kompressor-Kühlbox (rund 350 Wh im Sommer, Richtwert aus dem Rechner), LED-Licht, zwei Handys und die Wasserpumpe (zusammen etwa 85 Wh) sowie einen Laptop für zwei Stunden (90 Wh). Summe: rund 525 Wh, mit Puffer 630 Wh. Für April bis September gilt der September mit 3,09 kWh pro kWp: 630 ÷ (3,09 × 0,75) ≈ 270 W. Der Wohnmobil-Rechner geht etwas vorsichtiger mit 2,9 Sonnenstunden vor und landet bei knapp 300 W; wer zusätzlich öfter fährt, holt über einen Ladebooster einen Teil aus der Lichtmaschine und kann etwas kleiner planen.
Was Quellen als Spannweite nennen
- ADAC: Beispiel mit 480 Wh am Tag (zwei Personen, Smartphones, Licht, TV, Laptop) und mindestens 200 W Solar, 120 Ah Speicher.
- solaranlage-tipps.de: rund 600 Wh am Tag für ein Reisepaar, 200 bis 300 Wp, im Kastenwagen oft 200 bis 400 Wp.
- promobil: Auf ein durchschnittliches Dach passen meist zwei Module mit 100 Wp oder eines mit 200 Wp; ein 140-Wp-Modul brachte im Test im Schnitt 469 Wh am Tag.
- Herstellerblog EcoFlow: für Wochenendcamping 200 bis 400 W. Diese Quelle haben wir nur zum Abgleich genutzt.
Typische Fehler
- Nach der Nennleistung statt nach dem Ertrag rechnen. Ein 200-W-Modul liefert nur einen Bruchteil davon als Tagesenergie.
- Den Sommer als Maßstab nehmen und im Herbst überrascht sein.
- Den Verbrauch schätzen statt messen. Ein Batteriecomputer mit Shunt (Batteriecomputer und Shunt) zeigt nach zwei Wochen den echten Wert.
- Große Wechselrichter-Verbraucher vergessen: Kaffeemaschine, Föhn und Induktion (Kaffee, Föhn, Induktion) lassen sich selten solar decken.
- Teilverschattung durch Dachluke, Lüfter oder Antenne ignorieren. Sie bremst bei Reihenschaltung das ganze Feld (Module in Reihe oder parallel).
Checkliste
- Tagesverbrauch in Wh ermittelt, Puffer aufgeschlagen
- Kritischen Monat festgelegt
- Wattzahl mit dem Solarrechner gegengerechnet
- Dachfläche und Gewicht geprüft (Zuladungsrechner)
- Batterie passend dazu gewählt (Wie groß soll die Bordbatterie sein?)
Wann du eine Fachkraft fragst
Sobald es um Leitungen mit hohen Strömen, Sicherungen oder 230 V geht, lass die Anlage von einem Fachbetrieb planen oder zumindest abnehmen. Auch der ADAC rät, die Elektrik Fachleuten zu überlassen und die fertige Anlage prüfen zu lassen. Die Planung der Wattzahl kannst du selbst machen, den Einbau am Fahrzeug solltest du absichern.
Quellen
- solaranlage-tipps.de: Wohnmobil-Solar berechnenFormel Wp = Verbrauch ÷ Sonnenstunden ÷ 0,75, Beispiel 600 Wh ergibt rund 200 Wp, Winter-Puffer von mindestens 50 Prozent.
- ADAC: Solarpanels auf dem WohnmobilBeispielrechnung 480 Wh am Tag für zwei Personen mit Empfehlung mindestens 200 W Solar und etwa 120 Ah Speicher sowie die Warnung, Gewicht und Leitungen ernst zu nehmen.
- promobil: 13 Antworten zur SolaranlageÜbliche Modulgrößen 100 bis 200 Wp, auf ein durchschnittliches Dach passen etwa 2 × 100 Wp oder 1 × 200 Wp, Testertrag 469 Wh am Tag bei einem 140-Wp-Modul.
- Kfz-Meisterbetrieb Dietrich: Solar und Batterie dimensionierenErtragsrichtwerte in Wh pro Wp und Tag nach Jahreszeit, typische Verbrauchswerte von Kleingeräten, AGM- und LiFePO4-Kennzahlen, Rat zum Messen mit Shunt.
- EU-Kommission PVGIS (eigene Abfrage, Mittelhessen, 0° Neigung)Monatliche Tageserträge pro kWp für flach liegende Module (Juni 4,99, April 4,07, September 3,09, Oktober 1,70, Dezember 0,48 kWh/kWp und Tag, ohne Systemverluste).
- EcoFlow: Leitfaden Wohnmobil-Solaranlage (Herstellerblog)Grobe Wattbereiche je Nutzungsprofil (Wochenende 200 bis 400 W) und die Faustformel Kapazität = Verbrauch × Reservetage ÷ Entladetiefe; als Herstellerquelle nur zum Abgleich genutzt.