Strom und Solar

Wie groß sollte die Bordbatterie sein?

3 Min. Lesezeit · 6 Quellen · Stand Oktober 2026

Kurz gesagt: Plane sie so, dass sie zwei Tage ohne Sonne überbrückt. Bei 700 Wh am Tag sind das etwa 120 Ah LiFePO4, in der Praxis kaufst du 150 Ah.

Das Wichtigste in drei Punkten

  • Rechne Ah = Tagesverbrauch × Tage ohne Nachladen ÷ nutzbarer Anteil ÷ Spannung; für LiFePO4 mit 90 Prozent und 12,8 V ergeben 720 Wh an zwei Tagen etwa 125 Ah, also 150 Ah gekauft.
  • Bei Blei ist nur etwa die Hälfte bis 60 Prozent nutzbar, derselbe Bedarf braucht dort rund 240 Ah und wiegt ein Mehrfaches.
  • Ab einem Wechselrichter von etwa 2.000 W muss die Batterie rund 185 A dauerhaft liefern können, dann sind mindestens 200 Ah und ein passendes BMS sinnvoll.
Eine 12-Volt-Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LiFePO4) mit 200 Ah in einem Karton, Draufsicht auf die beschriftete Oberseite mit Polen.
Eine 12-V-LiFePO4-Batterie mit 200 Ah, zur Illustration. Foto: HasanAbuarja, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
SolarmoduleLadereglerMPPTLichtmaschineStarterbatterieLadeboosterDC-DCLandstrom230 VLadegerätBordbatterie12,8 V LiFePO4Shunt12-V-GeräteWechselrichter230-V-GeräteGelbe Kästchen: Sicherungen, so nah wie möglich an der Quelle. Der Shunt sitzt in der Minusleitung, alles läuft über ihn.
So hängen Solar, Booster, Landstrom, Batterie und Verbraucher zusammen (eigenes Schema).

Hintergrund

Die Bordbatterie bestimmt, wie lange du ohne Landstrom und ohne Sonne auskommst. Die Größe leitest du aus dem Tagesverbrauch ab, nicht aus dem Preis oder dem, was in den Einbauraum passt. Dabei zählt nur die nutzbare Kapazität: Bei LiFePO4 sind es nach mehreren Quellen etwa 80 bis 90 Prozent, bei Blei nur etwa die Hälfte bis 60 Prozent.

So rechnest du

Ah = Tagesverbrauch in Wh × Tage ohne Nachladen ÷ nutzbarer Anteil ÷ Systemspannung

Die gleiche Logik nutzen auch andere Ratgeber (Kapazität = Verbrauch × Reservetage ÷ Entladetiefe). Für LiFePO4 rechnet der Wattcamper-Rechner mit 90 Prozent und 12,8 V Nennspannung und plant zwei Tage ein.

Beispiel: 720 Wh am Tag, zwei Tage

  • LiFePO4 (eigene Rechnung): 720 × 2 ÷ 0,9 ÷ 12,8 ≈ 125 Ah. Gekauft werden meist 150 Ah.
  • Blei bei 50 Prozent Nutzung (eigene Rechnung, 12 V): 1.440 ÷ 0,5 ÷ 12 = 240 Ah.
  • ADAC-Beispiel: 480 Wh am Tag (40 Ah) und drei Tage ergeben 120 Ah.

Richtwerte

SituationRichtwert LiFePO4Quelle bzw. Rechnung
Sparsam, Kühlbox, Wochenende100 Ahpromobil nennt 100 Ah als sinnvolle Mindestgröße bei Lithium
Paar, Kompressor-Kühlschrank, 2 Tage100 bis 200 Ahsolaranlage-tipps.de
720 Wh am Tag, 2 Tage150 Aheigene Rechnung, siehe oben
Wechselrichter 2.000 Wmindestens 200 Aheigene Rechnung: 2.000 ÷ (12 × 0,9) ≈ 185 A Dauerstrom
Reise-Fön oder Mikrowelle regelmäßigab 200 AhADAC

Gewicht: das zweite Kriterium

Eine Batterie wiegt viel. Ein Kfz-Betrieb gibt für 100 Ah etwa 28 kg bei AGM und etwa 13 kg bei LiFePO4 an; der Wattcamper-Rechner nutzt rund 12,5 kg pro 100 Ah. Der Unterschied zwischen 150 Ah Lithium (rund 20 kg) und 240 Ah Blei (rund 67 kg, eigene Rechnung mit 28 kg pro 100 Ah) ist für die Zuladung groß. Mehr dazu unter Gewicht der Solaranlage.

Welche Größe passt zur Solaranlage?

Batterie und Solar müssen zusammenpassen. Eine 300-Ah-Batterie wird von 100 W Solar bei wechselhaftem Wetter kaum je voll (eigene Einschätzung, keine Messung). Umgekehrt nützen 400 W bei 50 Ah wenig, weil die Batterie mittags voll ist und die Energie ungenutzt bleibt. Als Faustregel: Die Tageserzeugung im Reisemonat sollte etwa dem Tagesverbrauch entsprechen (Wie viel Watt Solar?), die Batterie dann ein bis zwei Tage Verbrauch zusätzlich puffern.

Typische Fehler

  • Nennkapazität statt nutzbarer Kapazität vergleichen. Im promobil-Test lieferte eine 120-Ah-AGM nur 72 Ah, eine 110-Ah-LiFePO4 dagegen 110 Ah.
  • Den Strom des Wechselrichters vergessen. Das BMS muss den Dauerstrom liefern können, sonst schaltet die Batterie ab.
  • Zu klein dimensionieren und täglich tief entladen. Das verkürzt bei Blei die Lebensdauer drastisch.
  • Große Batterie ohne passende Ladequellen: Dann bleibt sie dauerhaft halb leer (Ladebooster).
  • Lithium ohne Frostschutz im Winterbetrieb: Laden unter 0 °C kann die Zellen dauerhaft schädigen (Lithium bei Kälte).

Checkliste

  • Tagesverbrauch in Wh bekannt
  • Gewünschte Tage ohne Nachladen festgelegt (zwei sind ein üblicher Ansatz)
  • Nutzbaren Anteil für den Batterietyp eingesetzt
  • Maximalstrom des Wechselrichters gegen den Dauerstrom des BMS geprüft
  • Gewicht und Einbauort geklärt, Sicherung und Hauptschalter geplant (Kabelquerschnitt und Sicherung)
  • Ergebnis im Solarrechner gegengeprüft

Wann du eine Fachkraft fragst

Bei Batterien mit hohen Strömen (ab etwa 100 A) sind Kabelquerschnitt, Sicherung und Anschluss sicherheitsrelevant. Lass das von einem Fachbetrieb ausführen oder abnehmen. Das gilt auch für die Befestigung der schweren Batterie; der ADAC rät zu stabilen, ausreißsicheren Halterungen am Boden.

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Quellen

  1. ADAC: Solarpanels auf dem WohnmobilBeispielrechnung 480 Wh am Tag für zwei Personen mit Empfehlung mindestens 200 W Solar und etwa 120 Ah Speicher sowie die Warnung, Gewicht und Leitungen ernst zu nehmen.
  2. solaranlage-tipps.de: Wohnmobil-Solar berechnenFormel Wp = Verbrauch ÷ Sonnenstunden ÷ 0,75, Beispiel 600 Wh ergibt rund 200 Wp, Winter-Puffer von mindestens 50 Prozent.
  3. Kfz-Meisterbetrieb Dietrich: Solar und Batterie dimensionierenErtragsrichtwerte in Wh pro Wp und Tag nach Jahreszeit, typische Verbrauchswerte von Kleingeräten, AGM- und LiFePO4-Kennzahlen, Rat zum Messen mit Shunt.
  4. promobil: AGM- vs. Lithiumakku (Praxistest)Im Test lieferte eine 120-Ah-AGM 72 Ah nutzbar, eine 110-Ah-LiFePO4 die vollen 110 Ah, außerdem Zyklenwerte und Preise.
  5. promobil: 13 Antworten zur SolaranlageAls Lithium-Mindestkapazität werden 100 Ah genannt.
  6. EcoFlow: Leitfaden Wohnmobil-Solaranlage (Herstellerblog)Grobe Wattbereiche je Nutzungsprofil (Wochenende 200 bis 400 W) und die Faustformel Kapazität = Verbrauch × Reservetage ÷ Entladetiefe; als Herstellerquelle nur zum Abgleich genutzt.

Quellen am 13.10.2026 geprüft. Regeln, Preise und Fristen ändern sich, verlass dich bei Recht und Sicherheit auf die Prüfstelle oder Fachkraft.