Planung

Solaranlage fürs Wohnmobil berechnen

Aktualisiert am 12. Oktober 2026

Die meisten Anlagen im Camper werden falsch herum geplant: erst wird ein Modul gekauft, das gerade im Angebot ist, dann wird geschaut, ob es reicht. Besser ist es umgekehrt. Du fängst beim Verbrauch an und arbeitest dich zur Hardware vor. Das dauert eine Viertelstunde und spart dir Geld und Frust.

Schritt 1: Den Tagesverbrauch aufschreiben

Nimm jedes Gerät, das im Camper Strom zieht, und schätze, wie lange es am Tag läuft. Leistung mal Stunden ergibt Wattstunden. Bei Geräten, die takten, wie der Kompressor-Kühlbox, nimmst du einen Tageswert. Im Sommer sind 300 bis 450 Wh für eine 40-Liter-Box realistisch.

Ein typischer Kastenwagen für zwei Personen sieht so aus:

VerbraucherRechnungWh pro Tag
Kompressor-KühlboxSommerwert350
LED-Licht10 W × 4 h40
2 Handys2 × 15 Wh30
Laptop über USB-C45 W × 2 h90
Wasserpumpe, Dachlüfter15 Wh + 15 W × 6 h105
Kapselmaschine2 Tassen über Wechselrichter~110
Summe~720

Der Wert für die Kaffeemaschine enthält schon den Verlust im Wechselrichter und dessen Eigenverbrauch. Das wird gern vergessen und macht schnell 50 bis 100 Wh am Tag aus.

Schritt 2: Wie viel Solar aufs Dach muss

Ein Modul mit 100 Wp liefert nur unter Laborbedingungen 100 W. Flach auf dem Dach, warm, etwas verschmutzt und mit Leitungsverlusten kommen im Alltag eher 70 bis 75 % davon an. Entscheidend ist außerdem, wie viele „volle Sonnenstunden“ es gibt. Für flach liegende Module in Deutschland gilt grob:

  • Juni, Juli: 4,5 bis 5
  • April, September: knapp 3
  • Oktober, März: um 2
  • Dezember: unter 1

Du planst für den schwächsten Monat, in dem du noch unterwegs sein willst. Für eine Saison von April bis September:

720 Wh ÷ (2,9 × 0,75) ≈ 330 Wp

Fährst du alle zwei, drei Tage ein Stück, lädt der Ladebooster mit. Dann reichen auch 300 Wp, zum Beispiel zwei Module mit je 150 W.

Schritt 3: Die Batterie

Die Batterie überbrückt Nächte und schlechte Tage. Zwei Tage ohne Nachladen sind ein guter Wert für die meisten. Mit LiFePO4 kannst du rund 90 % der Kapazität nutzen:

720 Wh × 2 Tage ÷ 0,9 ÷ 12,8 V ≈ 125 Ah

Aufgerundet auf eine übliche Größe landest du bei 150 Ah. Hast du einen großen Wechselrichter, prüf zusätzlich, ob das BMS der Batterie den Strom schafft. Ein 2.000-W-Wechselrichter zieht unter Volllast rund 185 A.

Schritt 4: Laderegler, Booster, Wechselrichter

  • MPPT-Laderegler: 300 Wp ÷ 13,5 V ≈ 22 A, also ein 30-A-Regler, z. B. ein 100/30. Die 100 steht für die maximale Modulspannung. Zwei Module in Reihe kommen auf etwa 45 V, das passt.
  • Ladebooster: Bei 150 Ah sind 30 A ideal. Mehr dazu im Ratgeber Ladebooster.
  • Wechselrichter: Die Kapselmaschine zieht 1.300 W, mit Reserve also 1.500 W reiner Sinus. Warum nicht mehr, steht im Ratgeber Wechselrichter.

Typische Fehler

  • Den Winter mitplanen wollen. Kein Kastenwagendach bringt im Dezember genug Strom. Plane für deine echte Saison und nutze im Winter Landstrom.
  • Zu dünne Kabel. Gerade zwischen Batterie und Wechselrichter fließen große Ströme. Zu dünne Leitungen werden warm und kosten Leistung.
  • Kein Batteriecomputer. Ohne Shunt weißt du nie genau, wie voll die Batterie ist. Die Spannung allein sagt bei LiFePO4 kaum etwas.

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