Das Wichtigste in drei Punkten
- LiFePO4 ist teurer, nutzt die Kapazität aber zu 80 bis 90 Prozent (Blei etwa 50 bis 60 Prozent), wiegt etwa die Hälfte und hält laut promobil rund 3.000 statt 400 bis 600 Zyklen.
- Im promobil-Test lieferte eine 110-Ah-LiFePO4 die vollen 110 Ah, eine 120-Ah-AGM nur 72 Ah.
- Wer meist am Landstrom steht, fährt mit Blei günstiger; wer frei steht, spart mit Lithium Gewicht, braucht aber passende Ladetechnik und Frostschutz.

Hintergrund
Die Frage ist nicht, welche Chemie "besser" ist, sondern wie du fährst. LiFePO4 (Lithium-Eisenphosphat) ist in der Anschaffung deutlich teurer, nutzt die Kapazität besser, wiegt weniger und hält laut Herstellerangaben und promobil mehr Zyklen. Blei (AGM oder Gel) ist billig und unkompliziert, aber schwer und nur zur Hälfte bis 60 Prozent nutzbar. Der ADAC empfiehlt für Nachrüstungen LiFePO4 und nennt als Vorteil auch das geringe Gewicht, das gegen die 3,5-Tonnen-Grenze hilft.
Vergleich in Zahlen
| LiFePO4 | Blei (AGM, Gel) | |
|---|---|---|
| Nutzbare Kapazität | 80 bis 90 % (nahezu 100 % laut promobil) | 50 % (kfz-dietrich) bis 60 % (promobil) |
| Praxistest promobil | 110 Ah liefern 110 Ah, 2 Tage 6 Std. | 120 Ah liefern 72 Ah, 1 Tag 7 Std. |
| Zyklen | ca. 3.000 bei 90 % Entladetiefe, ca. 5.000 bei 50 % | ca. 400 bei 80 %, 500 bis 600 bei 50 % |
| Gewicht pro 100 Ah (Einzelquelle) | ca. 13 kg | ca. 28 kg |
| Preis laut promobil (95 Ah) | ca. 900 € | ca. 170 € |
| Preis laut ADAC (2026) | ab ca. 180 € pro 100 Ah | nicht genannt |
| Laden bei Frost | unter 0 °C nicht, ohne Heizung | möglich |
| Ladetechnik | Lithium-Kennlinie nötig, oft neues Ladegerät | Standard |
Rechenbeispiel: Was kostet eine nutzbare Kilowattstunde?
Eigene, stark vereinfachte Rechnung mit den Zahlen von promobil (täglich ein Zyklus, Preise von dort; die Lebensdauer ist theoretisch):
- AGM 95 Ah, 170 €, 50 % Nutzung, 550 Zyklen: 95 × 12 V × 0,5 = 570 Wh je Zyklus, insgesamt etwa 313 kWh. Das sind rund 0,54 € pro kWh.
- LiFePO4 95 Ah, 900 €, 90 % Nutzung, 3.000 Zyklen: 95 × 12,8 V × 0,9 = 1.094 Wh je Zyklus, insgesamt etwa 3.280 kWh. Das sind rund 0,27 € pro kWh.
Lithium ist damit auf dem Papier etwa halb so teuer pro nutzbarer kWh. Bei ADAC-Preisen ab 180 € je 100 Ah wäre der Abstand noch größer. Der Haken: Du fährst kein Wohnmobil zehn Jahre jeden Tag mit einem Zyklus. promobil weist selbst darauf hin, dass man ein Fahrzeug selten so lange nutzt. Wer nur 20 Nächte im Jahr frei steht, bekommt den Vorteil nie ausgespielt.
Wann sich Lithium lohnt
- Du stehst häufig frei oder bist im Homeoffice unterwegs.
- Du hast Kompressor-Kühlschrank, Wechselrichter oder andere große Verbraucher.
- Gewicht ist knapp. Die Faustwerte zeigen etwa die Hälfte, bei gleicher Nutzenergie (150 Ah Lithium rund 20 kg, 240 Ah Blei rund 67 kg, eigene Rechnung) sogar nur etwa ein Drittel.
- Du willst schnell laden, auch über Solar und Ladebooster.
Wann Blei reicht
- Du bist hauptsächlich auf Campingplätzen mit Landstrom.
- Du brauchst nur Licht, Wasserpumpe und Handys.
- Das Budget ist knapp und die Anlage ist klein.
- Du nutzt das Fahrzeug im tiefen Winter, ohne einen beheizten Einbauort zu haben.
Der oft übersehene Teil: Lithium braucht passende Ladetechnik
Ein Batterietausch allein reicht nicht. Das Ladegerät, der Elektroblock, der Solarregler und der Ladebooster müssen eine Lithium-Kennlinie beherrschen. promobil nennt für das passende Ladegerät mehrere hundert Euro Zusatzkosten. Eine Übersicht findest du unter Was brauche ich außer der Batterie?. Ein Trennrelais ist bei Lithium nach Aussage eines Kfz-Betriebs nicht zulässig, hier ist ein Ladebooster sinnvoll.
Kälte
Lithium darf unter 0 °C nicht geladen werden. promobil nennt als Grenze 0 °C und sagt, dass das BMS das Laden meist sperrt; entladen lässt sich die Batterie weiter bis etwa -20 °C. Lösungen sind eine Batterie mit Heizung oder ein beheizter Einbauort. Details in Lithium bei Kälte.
Typische Fehler
- Nur die Amperestunden vergleichen und nicht die nutzbare Energie.
- Billig-Lithium ohne BMS-Daten kaufen: Dauerstrom, Temperaturschutz und Bluetooth stehen im Datenblatt.
- Die alte Bleibatterie-Ladetechnik weiter verwenden.
- Mit Lithium im Winterbetrieb planen, ohne Heizung oder Einbauort im Warmen.
Checkliste
- Nutzungsprofil: Landstrom oder Freistehen?
- Tagesverbrauch und Batteriegröße berechnet (Batteriegröße)
- Gewichtsunterschied in der Zuladung geprüft
- Ladegerät, Solarregler und Booster lithiumtauglich
- Kälte-Lösung vorhanden
Wann du eine Fachkraft fragst
Beim Umbau auf Lithium im Serienwohnmobil sprichst du am besten mit dem Hersteller oder einem Fachbetrieb, weil Elektroblock und Fahrzeugelektronik betroffen sind. Bei hohen Strömen, Absicherung und 230 V ist ein Fachbetrieb ohnehin die richtige Adresse.
Quellen
- promobil: AGM- vs. Lithiumakku (Praxistest)Im Test lieferte eine 120-Ah-AGM 72 Ah nutzbar, eine 110-Ah-LiFePO4 die vollen 110 Ah, außerdem Zyklenwerte und Preise.
- promobil: Wohnmobil-Batterien im TestBei Blei sind die letzten 40 Prozent nicht abrufbar, LiFePO4 nahezu 100 Prozent nutzbar, Lithium gibt ab etwa -10 °C keine Energie mehr ab.
- ADAC: Solarpanels auf dem WohnmobilBeispielrechnung 480 Wh am Tag für zwei Personen mit Empfehlung mindestens 200 W Solar und etwa 120 Ah Speicher sowie die Warnung, Gewicht und Leitungen ernst zu nehmen.
- Kfz-Meisterbetrieb Dietrich: Solar und Batterie dimensionierenErtragsrichtwerte in Wh pro Wp und Tag nach Jahreszeit, typische Verbrauchswerte von Kleingeräten, AGM- und LiFePO4-Kennzahlen, Rat zum Messen mit Shunt.
- promobil: Warum Lithium-Akkus eine Heizung brauchenLaden unter 0 °C kann LiFePO4 dauerhaft schädigen, das BMS sperrt meist, entladen geht bis etwa -20 °C.
- Akkudoktor-Forum: LiFePO4 Akku bei FrostForennutzer bestätigen, dass Laden bei Frost schadet, Entladen bei leichtem Frost geht, und nennen beheizte Einbauorte oder BMS mit Heizfunktion als Lösung.