Strom und Solar

Wohnmobil auf Lithium umrüsten: Was brauche ich außer der Batterie?

3 Min. Lesezeit · 8 Quellen · Stand Oktober 2026

Kurz gesagt: Fünf Dinge: Ladebooster mit Lithium-Kennlinie, ein passendes Ladegerät oder Elektroblock, Schutz vor Frost, ein BMS mit genug Strom und eine saubere Absicherung.

Das Wichtigste in drei Punkten

  • Mit der Batterie allein ist es nicht getan: Ladebooster, Landstrom-Ladegerät, Solarregler und Kabel müssen zu den Eigenschaften von LiFePO4 passen.
  • Kälteschutz, ein BMS mit genug Strom und eine Absicherung nahe der Batterie gehören zur Planung, ebenso ein Batteriecomputer.
  • Der Elektroblock ist die häufigste Stolperstelle, weil er oft ein Trennrelais und ein Bleiladegerät mitbringt; kläre ihn vor dem Kauf.
  1. Lichtmaschine prüfenEuro 6, Spannung messen
  2. Boostermit Lithium-Kennlinie
  3. LadegerätElektroblock Lithium-fähig?
  4. FrostschutzHeizung oder Einbau innen
  5. AbsicherungBMS, Kabel, Hauptsicherung

Hintergrund: Warum nicht nur tauschen

LiFePO4 hat eine andere Ladekennlinie als Blei, einen sehr geringen Innenwiderstand und darf in der Kälte nicht geladen werden. Das Datenblatt der Victron Smart LiFePO4 nennt als Ladespannung 14,0 bis 14,4 V (empfohlen 14,2 V) und als Erhaltungsspannung 13,5 V. Ein Werkstatt-Fachartikel (kfz-dietrich) fasst zusammen: Ladebooster, Landstrom-Ladegerät und Solarregler brauchen ein Lithium-Ladeprofil, sonst droht dauerhafte Unterladung. Außerdem ist ein Lithium-Akku mit gleicher Nennkapazität weitgehend nutzbar, während bei Blei im Alltag oft nur 30 bis 50 Ah einer 100-Ah-Batterie genutzt werden.

Die Bausteine im Überblick

BausteinWarum bei Lithium wichtigRichtwert / Beleg
Ladebooster (DC-DC)Ersetzt das Trennrelais, hebt die Spannung auf Lithium-Niveau und begrenzt den Strom für die Lichtmaschinefür etwa 100 Ah rund 25 A, bei großen Kapazitäten 45 A oder mehr (promobil)
Landstrom-Ladegerät / ElektroblockBlei-Kennlinie kann zu niedrig laden; Trennrelais im Block kann den Booster überbrückenFall promobil: Ladegerät mit 20 A ersetzt
SolarreglerMuss Lithium-Profil haben und zur Batterie passenkfz-dietrich
KälteschutzLaden unter etwa 0 bis 5 Grad schädigtLithium im Winter
BMSSchutz der Zellen; Strom muss zu Wechselrichter und Booster passenVictron: Abschaltung bei Zellspannung unter 2,8 V
Kabel und SicherungHohe Ströme, niedrige Verlustepromobil: 16 mm² bei bis zu 60 A
BatteriecomputerLadezustand ist per Spannung kaum erkennbarBatteriecomputer

So gehst du vor

  1. Bestandsaufnahme. Welches Basisfahrzeug (Euro 6 mit intelligenter Lichtmaschine?), welcher Elektroblock, welcher Solarregler, welche Kabelquerschnitte? Bei Euro-6-Fahrzeugen lädt die Lichtmaschine die Starterbatterie teils nur auf etwa 80 % und schaltet sich oft ab; ein Booster mit Motorlauferkennung (D+) ist dann nötig (Ladebooster nötig?).
  2. Batterie nach Verbrauch wählen, nicht nach Gefühl (Batteriegröße, Lithium oder Blei).
  3. Booster dimensionieren. Der Strom muss zur Lichtmaschine passen (Boostergröße). Victron empfiehlt für die 200-Ah-Batterie höchstens 100 A Ladestrom, in der Praxis begrenzt die Lichtmaschine.
  4. Kabel rechnen. Eigene Rechnung nach der Formel des Solarrechners: 30-A-Booster, Zuleitung 5 m, 3 % Spannungsabfall bei 12 V, Strom mit Sicherheitszuschlag 34,5 A. Querschnitt = 2 × 5 m × 34,5 A ÷ (56 × 12 V × 0,03) ≈ 17 mm², nächste Norm 25 mm². Promobil verlegte in einem Praxisbeispiel 16 mm² für Ströme bis 60 A. Der Rechenweg ist konservativ; Näheres unter Kabelquerschnitt und Sicherung.
  5. Elektroblock klären. Ein Forenbeitrag aus der Victron-Community beschreibt für einen Nordelettronica-Block, dass die werksseitige Verbindung getrennt werden muss, sonst überbrückt sie den DC-DC-Lader. Der Hersteller deines Blocks entscheidet.
  6. Ladegerät prüfen. Promobil ersetzte in einem Beispiel das Bleiladegerät durch ein 20-A-Lithiumgerät (193 Euro). In einem zweiten Beispiel blieb das Schaudt-Ladegerät und lud mit der Blei-Gel-Kennlinie bis 14,4 V, weil die Redaktion das für LFP passend hielt, mit dem Hinweis, dass für optimales Laden am Landstrom ein Tausch nötig wäre.
  7. Frostschutz planen und alle Ladequellen einbeziehen.
  8. Sicherung und Hauptschalter direkt an der Batterie, danach Shunt.

Kosten und Aufwand (Beispiele von 2023, ungefähr)

Promobil nennt für einen Chausson 640 rund 2.400 Euro inklusive Ladegerät und vier bis fünf Stunden Einbau. Beim Etrusco mit 200 Ah und zwei 30-A-Boostern fielen 600 bis 800 Euro für den Einbau an. Die Gewichtsersparnis lag im ersten Beispiel bei 7,5 kg gegenüber der 95-Ah-AGM. Die Preise sind alt und dienen nur als Größenordnung.

Typische Fehler

  • Booster fehlt oder passt nicht. Ohne Booster kann bei Euro-6-Fahrzeugen die Bordbatterie über die Fahrt sogar leerer werden, wie ein promobil-Bericht schildert.
  • Booster neben dem Serien-Trennrelais. Promobil warnt, dass der Strom über das Trennrelais zurückfließen und das Laden unzuverlässig machen kann.
  • IU statt IUoU. Einfache Booster mit reiner IU-Kennlinie können bei langen Fahrten überladen (promobil).
  • Ruhestrom. Hauptschalter bei Standzeiten öffnen (Victron-Handbuch zum Shunt).

Checkliste

  • Basisfahrzeug und Lichtmaschine geklärt.
  • Booster mit Lithium-Kennlinie, passende Kabel und Sicherung.
  • Elektroblock: Relais und Ladegerät geprüft.
  • Solarregler auf Lithium gestellt.
  • Frostschutz geplant (Lithium im Winter).
  • Batteriecomputer und Hauptschalter vorgesehen.
  • Gewicht der Anlage eingerechnet (Gewicht der Solaranlage).

Wann du eine Fachkraft fragst

Immer, wenn du am Elektroblock, am 230-V-Teil oder an hohen Strömen arbeitest. Promobil empfiehlt für Booster über 25 A einen Fachbetrieb. Auch die Kabel an Gurtstraffern und Airbag-Leitungen unter dem Sitz dürfen laut Bericht nur Fachleute lösen. Den Gesamtbedarf rechnest du im Solarrechner.

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Quellen

  1. Victron: Datenblatt Smart LiFePO4 (Händlerkopie, PDF)Ladespannung 14,0 bis 14,4 V, Erhaltung 13,5 V, empfohlener und maximaler Ladestrom, BMS-Schwellen.
  2. promobil: Lithiumbatterie einbauenZwei Umbaubeispiele mit Ladegerät, Boostern, 16-mm²-Kabeln, Kosten, Einbauzeit und Gewichtsersparnis.
  3. promobil: Lade-Booster für die BordbatterieFunktion des Boosters, Lithium-Eignung, Richtstrom 25 A bei 100 Ah, IUoU, Warnung vor Betrieb neben dem Trennrelais.
  4. promobil: Moderne Ladesysteme im WohnmobilIntelligente Lichtmaschine bei Euro 6, Starterbatterie etwa 80 %, Booster verhindert Rückfluss.
  5. kfz-dietrich: Wohnmobil-LithiumumrüstungGesamtsystem anpassen: Booster, Ladegerät, Solarregler mit Lithium-Profil, Frostschutz, Verkabelung.
  6. Victron: Orion-Tr Smart Handbuch (PDF)Geregeltes Laden schützt die Lichtmaschine bei niederohmigen Lithium-Batterien, Motorlauferkennung bei Smart-Lichtmaschinen.
  7. Victron-Community: Orion-Tr Smart im WohnmobilBeispiel für Einbindung neben einem Elektroblock mit Auftrennen der Werksverbindung und D+-Abgriff.
  8. Victron: SmartShunt-Handbuch (PDF)Warnung vor Tiefentladung durch Ruhestrom und Hauptschalter bei Standzeit.

Quellen am 13.10.2026 geprüft. Regeln, Preise und Fristen ändern sich, verlass dich bei Recht und Sicherheit auf die Prüfstelle oder Fachkraft.