Strom und Solar

Wie viel Solar passt aufs Dach (Bulli, Aufstelldach, Kastenwagen)?

5 Min. Lesezeit · 7 Quellen · Stand Oktober 2026

Kurz gesagt: Realistisch sind im Bulli 100 bis 150 W, im Aufstelldach etwa 100 W, im Kastenwagen 250 bis 400 W und im Wohnmobil 400 bis 500 W.

Das Wichtigste in drei Punkten

  • Realistisch passen im Bulli mit Festdach 100 bis 150 W, im Aufstelldach etwa 100 W, im langen Kastenwagen 200 bis 400 W und im Wohnmobil je nach Aufbauten 200 bis 500 W.
  • Ein starres 200-W-Modul ist rund 1,5 x 0,68 m groß (1,02 m², 11 kg); Luken, Lüfter, Klima und Sat-Antenne bestimmen, wie viele davon aufs Dach passen.
  • Was nicht aufs Dach passt, holst du über Ladebooster, Landstrom oder ein Faltmodul, nicht durch Schatten und Kompromisse bei der Sicherheit.
Weißer VW-Camper (T3 Syncro) mit Hochdach und einem aufgebauten Solarmodul auf dem Dach, von vorne fotografiert.
Solarmodul auf dem Dach eines VW-Campers. Foto: dave_7 from Lethbridge, Canada, Wikimedia Commons, CC BY 2.0
Bullietwa 100 bis 150 WBulli mit Aufstelldachetwa 100 W, Dach klappt hochKastenwagen ab 6 metwa 300 bis 400 WWohnmobiletwa 400 bis 500 W, Klima und Sat nehmen PlatzAnsicht von oben. Blau: Module, grau: Luken,Klima, Antenne. Der Schatten dieser Teilemindert den Ertrag der Nachbarmodule.
Realistische Moduleanzahl je Fahrzeug (eigene Darstellung).

Hintergrund: Die Dachfläche ist der Engpass, nicht das Geld

Bei der Frage „Wie viel Watt brauche ich?“ rechnest du vom Verbrauch aus. Bei der Frage „Wie viel passt?“ rechnest du vom Dach aus. Beides muss zusammenpassen. In der Praxis begrenzt das Dach die Anlage früher als das Budget, vor allem bei Fahrzeugen mit Dachluken, Lüftern, Klimaanlage, Sat-Antenne und Aufstelldach. Den Bedarf rechnest du unter Wie viel Watt Solar brauche ich?; hier geht es um das, was aufs Dach passt.

Richtwerte nach Fahrzeug

FahrzeugUnser Rechner (realistisch)Was die Quellen sagen
Bulli / Kleinbus mit Festdach150 W100 bis 150 Wp (solaranlage-tipps.de)
Bulli mit Aufstelldach100 Wmeist ein semiflexibles Modul mit etwa 100 Wp auf der festen Restfläche
Kastenwagen bis 5,5 m250 WVans: 200 bis 400 W für die meisten (aceflex)
Kastenwagen ab 6 m400 Wlanger Kastenwagen: 200 bis 400 Wp mit starren Modulen auf Spoilern
Wohnmobil400 WFixinstallation großes Wohnmobil 400 bis 600 Wp (solaranlage-tipps), aber nur etwa 200 Wp, wenn Klima und Sat-Antenne mit aufs Dach müssen (promobil)

Es gibt keinen Wert, den man für alle nehmen kann. Die Spannweite kommt von den Aufbauten. promobil schreibt, dass auf ein durchschnittliches Wohnmobil mit Klimaanlage und Sat-Antenne oft zwei Module mit je etwa 100 Wp oder ein Modul mit etwa 200 Wp passen. Vier Module passen meist nur auf größeren Fahrzeugen.

So gehst du vor: In vier Schritten zum Belegungsplan

  1. Dach ausmessen: Länge und Breite der ebenen Fläche, dazu alle Aufbauten (Luken, Lüfter, Klima, Antennen, Dachreling) einzeichnen.
  2. Modulmaße einsetzen: Ein starres 200-W-Modul von Offgridtec misst laut Datenblatt 1.500 x 680 x 35 mm und wiegt 11 kg. Das sind 1,5 x 0,68 = 1,02 m² Fläche für rechnerisch etwa 196 W je m² (200 ÷ 1,02, eigene Rechnung). Die Leistungsangabe im Datenblatt ist allerdings widersprüchlich (200 W im Titel, 155 Wp in der Tabelle), prüfe sie bei deinem Modell.
  3. Abstände einplanen: Zu Aufbauten brauchst du Abstand, damit ihr Schatten das Modul nicht trifft. Autozeitung rät zu Abstand von Klima, Sat-Antenne und Dachbox. Hinzu kommen Platz für Halter, Kabeldurchführung und Zugang. Feste Prozentwerte dafür haben wir nicht gefunden.
  4. Anzahl rechnen: Passen auf deine Fläche zwei Module à 1,02 m² (2,04 m² plus Abstände), sind das 400 W. Passt nur eins, sind es 200 W.

Rechenbeispiel: Was bringt das, was passt?

Ein Reisender mit 720 Wh Tagesverbrauch in der Saison (April bis September) bräuchte rund 330 W. Eigene Rechnung mit unseren Rechnerwerten (2,9 Sonnenstunden, Faktor 0,75), was die Dachgrenze liefert:

FahrzeugDachgrenzeSolar pro TagAnteil von 720 Wh
Bulli mit Aufstelldach100 W100 x 2,9 x 0,75 = 218 Wh30 %
Bulli mit Festdach150 W326 Wh45 %
Kastenwagen kurz250 W544 Wh76 %
Kastenwagen lang400 W870 Wh121 %

Im Bulli deckt das Dach damit nur einen Teil. Der Rest kommt aus der Lichtmaschine: Ein 30-A-Ladebooster bringt in 0,6 Fahrstunden am Tag nach unserem Rechner etwa 30 x 13 x 0,9 x 0,6 ≈ 210 Wh. Beim Aufstelldach sind das 218 + 210 = 428 Wh, also knapp 60 % des Beispielverbrauchs. Siehe Brauche ich einen Ladebooster? Hier lohnt sich die Frage, ob du Verbraucher streichst (zum Beispiel statt Kompressor-Kühlbox ein kleineres Gerät) oder die Reisezeit auf die Monate mit mehr Sonne legst.

Starr oder flexibel auf kleiner Fläche?

Auf gewölbten Dächern und beim Aufstelldach sind flexible Module weit verbreitet, weil sie sich der Form anpassen und leicht sind. Solaranlage-tipps.de nennt für den Aufstelldach-Bulli (California, Marco Polo) nur die kleine feste Fläche neben dem Dach und ein einzelnes semiflexibles 100-Wp-Modul. Die Vor- und Nachteile stehen unter Starre oder flexible Module?

Was nicht aufs Dach passt

  • Ladebooster holt beim Fahren, was das Dach nicht schafft.
  • Faltbare Module oder Solarkoffer stellst du neben das Fahrzeug. Solaranlage-tipps.de nennt als Variante ohne Dachbohrung eine Powerstation mit 500 bis 1.000 Wh und ein Faltmodul mit 100 bis 200 Wp. Preise für Faltmodule liegen laut EnBW bei etwa 140 bis 300 Euro für 100 bis 200 W.
  • Verbrauch senken: Jedes Gerät weniger spart Dachfläche.
  • Landstrom bleibt Reserve, siehe auch Powerstation statt Einbau.

Gewicht und Recht

Das Gewicht rechnest du mit ein: Unser Rechner setzt etwa 0,065 kg je Watt inklusive Halterung an, 400 W wären also rund 26 kg (Beispiel: zwei starre Module à 11 kg wiegen 22 kg), siehe Gewicht der Solaranlage und den Zuladungsrechner. Laut photovoltaik.info brauchst du für eine fest montierte Anlage in der Regel keine gesonderte Abnahme. Sie muss aber fachgerecht und verkehrssicher angebracht sein, darf sich nicht lösen und die zulässige Fahrzeughöhe nicht überschreiten. Beim Aufstelldach müssen die Module den Klappmechanismus frei lassen. Wer sein Fahrzeug als Wohnmobil abgenommen hat oder abnehmen lassen will, fragt vorher die Prüfstelle, siehe Kastenwagen-Zulassung.

Typische Fehler

  • Die Anlage rechnerisch ausreichend planen und dann feststellen, dass die Module nicht aufs Dach passen.
  • Module direkt neben Klima, Antenne oder Dachbox montieren: Schon ein Teilschatten drückt die Leistung des ganzen Moduls.
  • Die Höhe vergessen (Parkhaus, Durchfahrten, Fahrzeugpapiere).
  • Bohrungen nicht dicht versiegeln.

Checkliste

  • Dachskizze mit allen Aufbauten und Maßen.
  • Modulgrößen aus dem Datenblatt eingesetzt, nicht aus der Werbung.
  • Abstand zu Schattenwerfern eingeplant.
  • Rest über Booster, Faltmodul oder Landstrom abgedeckt.
  • Gewicht und Fahrzeughöhe geprüft.

Wann du eine Fachkraft fragst

Bei Dachdurchführungen, GFK- oder Aufstelldächern, Lastgrenzen des Dachs und wenn eine Abnahme ansteht, fragst du Werkstatt oder Prüforganisation. Die Elektrik hinter dem Modul ist ein eigenes Thema. Die Zahlen oben sind Richtwerte. Wie viel du brauchst, rechnet dir der Solarrechner.

Passend zu dieser Frage

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Für dich ändert sich der Preis nicht.

Quellen

  1. Solaranlage-tipps.de: Solar für den Camper 2026Richtwerte je Fahrzeug (VW-Bus 100 bis 150 Wp, Aufstelldach ein semiflexibles 100-Wp-Modul, langer Kastenwagen 200 bis 400 Wp, Wohnmobil 400 bis 600 Wp) und die Variante Powerstation mit Faltmodul.
  2. promobil: 13 Antworten zur SolaranlageAuf ein durchschnittliches Wohnmobil mit Klima und Sat-Antenne passen oft zwei Module à 100 Wp oder eines mit 200 Wp, vier nur auf größere Fahrzeuge.
  3. aceflex: Solarmodul auf KastenwagenEinordnung der Wattklassen und die Aussage, dass für die meisten Vans 200 bis 400 W üblich sind.
  4. Autozeitung: Solaranlage auf dem Camperdach nachrüstenAbstand zu Klimaanlage, Sat-Antenne und Dachbox wegen Schatten; Bohrlöcher abdichten.
  5. Offgridtec: Datenblatt 200W Mono SolarmodulBeispielmaße 1.500 x 680 x 35 mm und 11 kg für ein starres 200-W-Modul.
  6. photovoltaik.info: Balkonkraftwerk am WohnmobilKeine gesonderte Abnahme für eine fachgerecht montierte Anlage nötig, Ladungssicherung und Fahrzeughöhe.
  7. EnBW: Solar für WohnmobilFaustregel 100 Wp je Person und Preise für Faltmodule.

Quellen am 13.10.2026 geprüft. Regeln, Preise und Fristen ändern sich, verlass dich bei Recht und Sicherheit auf die Prüfstelle oder Fachkraft.