Das Wichtigste in drei Punkten
- Im Dezember liefert ein flach liegendes Modul in Mitteldeutschland nach EU-Satellitendaten nur etwa ein Zehntel des Juniwerts, rund 45 Wh am Tag je 100 W statt 420 Wh.
- Im Süden sieht es deutlich besser aus: In Südspanien ist der Dezember mit rund 195 Wh je 100 W gut viermal so ergiebig wie in Mitteldeutschland.
- Für den Winter brauchst du daher Landstrom oder Fahrten mit Ladebooster, und eine LiFePO4-Batterie darf bei Frost nicht geladen werden.
Hintergrund: Warum der Winter so wenig bringt
Im Winter steht die Sonne tief, die Tage sind kurz, und es ist häufig bewölkt. Dazu kommt, dass ein Camperdach flach liegt: Anders als ein Hausdach, das im Winter steiler angestellt werden kann, schaut ein Modul auf dem Fahrzeug ziemlich genau nach oben, und das ist im Winter ungünstig. Nach EnBW produzieren Photovoltaikanlagen in Deutschland von Oktober bis März nur etwa 20 bis 30 Prozent ihres Jahresertrags. Eine Auswertung auf Basis von PVGIS (reduco.ai) nennt für Mitteldeutschland etwa 29,6 % im Winterhalbjahr bei einem 35° geneigten Südmodul. Aus der PVGIS-Tabelle unten ergibt sich für eine waagerechte Fläche in Mitteldeutschland ein Anteil von etwa 22 % (Oktober bis März gegen das ganze Jahr, eigene Rechnung).
Wir haben dazu die Strahlungsdaten der EU-Kommission (PVGIS 5.3, Zeitraum 2015 bis 2020) für vier Orte abgerufen. Die Werte beziehen sich auf eine waagerechte Fläche und geben die Einstrahlung in kWh je m² und Tag an. Das ist zugleich die Zahl der „Sonnenstunden“, mit denen unser Rechner arbeitet: Ein Modul mit 100 W Nennleistung bringt bei 1 kWh/m² Einstrahlung unter Idealbedingungen 100 Wh. Dazu kommen die Verluste (Faktor 0,75).
Die Zahlen: Sonnenstunden pro Tag nach Monat
| Monat | Mitte (51° N) | Hamburg | München | Südspanien (Málaga) |
|---|---|---|---|---|
| Dezember | 0,60 | 0,45 | 1,00 | 2,60 |
| Januar | 0,75 | 0,59 | 1,10 | 2,92 |
| Februar | 1,50 | 1,26 | 1,95 | 3,76 |
| März | 2,63 | 2,32 | 3,06 | 4,81 |
| April | 4,60 | 4,26 | 4,64 | 5,73 |
| September | 3,47 | 3,12 | 3,68 | 5,62 |
| Oktober | 1,72 | 1,62 | 2,20 | 4,10 |
| November | 0,95 | 0,76 | 1,31 | 3,02 |
| Juni | 5,60 | 5,40 | 5,69 | 8,06 |
Die Tageswerte sind aus den PVGIS-Monatssummen geteilt durch die Zahl der Monatstage gerechnet (eigene Rechnung), der Durchschnitt stammt aus sechs Jahren. Sechs Jahre sind kein langes Klimamittel, einzelne Winter können deutlich schlechter sein. Der Dezember liefert in der Mitte nur 0,60 von 5,60 kWh/m² im Juni, also etwa 11 %. Im November sind es 17 %, im Januar 13 %, im Februar aber schon 27 %.
So rechnest du: Was bringen 300 W im Winter?
Ertrag je Tag = Watt x Sonnenstunden x 0,75
| Fall | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| 300 W im Juni, Mitte | 300 x 5,60 x 0,75 | ca. 1.260 Wh |
| 300 W im November, Mitte | 300 x 0,95 x 0,75 | ca. 214 Wh |
| 300 W im Dezember, Mitte | 300 x 0,60 x 0,75 | ca. 135 Wh |
| 300 W im Dezember, Hamburg | 300 x 0,45 x 0,75 | ca. 101 Wh |
| 300 W im Dezember, Südspanien | 300 x 2,60 x 0,75 | ca. 585 Wh |
Im Dezember reichen 300 W Solar in Mitteldeutschland also gerade für etwas mehr als ein Drittel dessen, was eine Kompressor-Kühlbox nach unserem Rechner an einem Tag braucht (350 Wh). Im Winter wird Solar damit vom Hauptversorger zum Zusatz. In Südspanien dagegen liefert dieselbe Anlage im Dezember gut viermal so viel wie in Mitteldeutschland (585 ÷ 135 ≈ 4,3).
Unser Rechner und der Winter
Das Profil „Das ganze Jahr“ im Solarrechner rechnet mit 1,7 Sonnenstunden, dem Niveau von März und Oktober, und weist zusätzlich auf den Winter hin. Auf den Dezember plant es die Anlage bewusst nicht aus. Das wäre auch kaum sinnvoll: Für 350 Wh im Dezember bräuchtest du in Mitteldeutschland rund 780 W Solar (350 ÷ 0,60 ÷ 0,75), mehr als auf die meisten Dächer passt (siehe Wie viel Solar passt aufs Dach?). Besser: Plane die Anlage für deine echte Reisezeit (Wie viel Watt Solar brauche ich?) und decke den Winter anders ab.
Was im Winter wirklich hilft
- Landstrom bleibt die verlässlichste Quelle.
- Ladebooster: Beim Fahren holt er Energie von der Lichtmaschine, siehe Brauche ich einen Ladebooster?
- Weniger verbrauchen: Gasheizung statt Elektro, keine Wärmegeräte am Wechselrichter (Kaffee, Föhn, Induktion).
- Überwintern im Süden: Die Tabelle zeigt, warum die Winterreise nach Spanien oder Portugal Solar tatsächlich nutzbar macht.
- Schnee vom Modul: Liegt Schnee auf dem Modul, kommt weniger Licht an (EnBW). Räume ihn nur, wenn du gefahrlos ans Dach kommst, und ohne das Glas zu zerkratzen.
Die Batterie im Frost
Kälte macht dem Modul wenig, der Batterie sehr viel. Für die Victron-Smart-LiFePO4-Batterien nennt das Datenblatt einen Betriebsbereich von +5 bis +50 °C beim Laden und von -20 bis +50 °C beim Entladen. Die nutzbare Kapazität sinkt mit der Kälte: Bei 0 °C stehen für eine 200-Ah-Batterie noch 160 Ah zur Verfügung (80 %), bei -20 °C nur noch 100 Ah (50 %). Das Laden unter der Grenze ist für die Zellen schädlich; ein Forenbeitrag in der Victron-Community spricht von Lithium-Plating ab etwa 5 °C und nennt das unumkehrbar. Verwende ein Modell mit Heizung oder bau die Batterie im geheizten Innenraum ein. Mehr dazu unter Lithium im Winter: Darf ich bei Frost laden?
Wichtig: Viele Hersteller geben 0 °C als Ladegrenze an, Victron 5 °C. Die Grenze deines Modells steht im Datenblatt.
Typische Fehler
- Die Anlage nach dem Sommerwert planen und im November überrascht sein.
- Von „Sonnenstunden“ im Wetterbericht auf Modulertrag schließen: Der Wetterbericht zählt direkte Sonne, der Rechner Einstrahlung in Volllaststunden.
- Annehmen, Regler oder Booster schützten die Batterie automatisch vor dem Laden bei Frost. Ob und wie das klappt, hängt von Gerät, BMS und Temperaturfühler ab.
- Unterschätzen, dass auch der Wechselrichter-Leerlauf im Winter ins Gewicht fällt.
Checkliste
- Reisezeit festlegen und dafür den Sonnenstundenwert nehmen, nicht den Jahresmittelwert.
- Winterquelle einplanen: Landstrom oder Booster.
- Batterie mit Heizung oder im warmen Innenraum.
- Batterietemperatur-Abschaltung an Regler und Booster prüfen.
- Verbrauch im Winter bewusst senken.
Wann du eine Fachkraft fragst
Bei Batterieheizung, Temperaturfühlern am Regler und Booster und der Einbindung ins Bordnetz hilft ein Elektrofachbetrieb. Die Werte in der Tabelle sind Modellwerte, keine Garantie für einen bestimmten Winter. Zum Gesamtbedarf nutzt du den Solarrechner.
Passend zu dieser Frage
- Batterie mit Heizung, lädt auch bei FrostLiontron LX Arctic 100 Ah mit HeizungBei Amazon ansehen
- Landstrom wird im Winter zur HauptquelleVictron Blue Smart IP22 12/20Bei Amazon ansehen
Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Für dich ändert sich der Preis nicht.
Quellen
- PVGIS 5.3 (EU-Kommission, JRC): monatliche Einstrahlung Mitte (51° N, 10° O)Monatssummen der Einstrahlung auf die Horizontale 2015 bis 2020, daraus unsere Sonnenstunden je Tag für Mitteldeutschland.
- PVGIS 5.3: monatliche Einstrahlung HamburgDieselbe Abfrage für Norddeutschland.
- PVGIS 5.3: monatliche Einstrahlung MünchenDieselbe Abfrage für Süddeutschland.
- PVGIS 5.3: monatliche Einstrahlung MálagaDieselbe Abfrage für Südspanien.
- reduco.ai: Photovoltaik im Winter, 14 % Ertrag von November bis FebruarMonatsanteile am Jahresertrag auf PVGIS-Basis (Dezember 2,6 %, Juni 12,6 %) und der Einfluss der Neigung auf den Winterertrag.
- EnBW: Was bringt eine Photovoltaik-Anlage im Winter?Oktober bis März liefern etwa 20 bis 30 % des Jahresertrags; Schnee blockiert Licht.
- Victron Smart LiFePO4, Datenblatt (Händlerkopie)Laden +5 bis +50 °C, Entladen -20 bis +50 °C, Kapazität bei 0 °C 80 % und bei -20 °C 50 %.
- Victron-Community: Lowest temp for Smart LiFePO4Community-Antwort zu Lithium-Plating beim Laden unter 5 °C und zur Entladung bis -20 °C.
- solaranlage-tipps.de: Solar für Camper